Vor der Operation
Aufklärung und Einwilligung
Was Sie wissen sollten, bevor Sie einer Operation zustimmen.
Jede Operation stellt im Prinzip eine Körperverletzung dar, die einer mündlichen oder schriftlichen Einwilligung der Patientin oder des Patienten bedarf. Selbstverständlich wägt der Chirurg den Nutzen gegenüber den Risiken ab. Entscheiden müssen aber Sie selbst, ob Sie eine Operation durchführen lassen oder den Nachteil einer Nichtbehandlung in Kauf nehmen wollen. Niemand kann zu einer Operation gezwungen werden.
Nur im Notfall gehen Ärztinnen und Ärzte bei bewusstlosen Patienten von einer stillschweigenden Einwilligung aus, wenn nur dadurch das Leben gerettet werden kann.
Risiken
Vor der Operation klärt Sie der Operateur über die Risiken auf. Jede Öffnung der Haut oder einer Körperhöhle kann zu Blutung, Hämatom, Infektion, Eiteransammlung, Wundheilungsstörung oder einer Gefäss- und Nervenverletzung mit Gefühlsstörung führen.
Diese Risiken liegen unter einem Prozent aller Fälle und werden normalerweise in Kauf genommen, weil jede Operation eine hohe Erfolgsrate von über 90 Prozent hat. Manchmal werden Korrekturen nötig oder die Heilung verzögert sich, ohne dass ein dauerhafter Gesundheitsschaden bleibt. Längere Bettlägerigkeit kann zu Thrombose und Embolie führen.
Komplikationen
Komplikationen können Wundheilungsstörungen sein, die eine längere Nachbehandlung erfordern. Auch andere unerwünschte Wirkungen sind möglich, wie sie bei Medikamenten vorkommen – Schmerzen, Schwindel, Hautausschlag durch ein Pflaster.
Im Beipackzettel von Medikamenten sind alle jemals aufgetretenen Nebenwirkungen aufgeführt; ihre Zahl versetzt aufmerksame Leserinnen und Leser regelmässig in Schrecken. Deshalb ist ein Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient unerlässlich: In der Stresssituation vor einem Eingriff kann kaum jemand sämtliche Eventualitäten überblicken.
Kunstfehler
Kunstfehler sind nachweislich falsche Eingriffe, Techniken oder Unterlassungen, die der medizinischen Lehre und der ärztlichen Sorgfaltspflicht widersprechen. Sie werden nie mit Vorsatz geplant, können aber auch den besten Ärztinnen und Ärzten unterlaufen. Sie müssen von Gutachtern beider Seiten bewiesen und bestätigt werden.
Die ausführlichen deutschen Leitlinien zum Stand der medizinischen Wissenschaft finden Sie bei der AWMF ↗; sie sind weitgehend deckungsgleich mit den schweizerischen.
Übersicht
Typische Risiken und Komplikationen
Allgemeine Komplikationen
- Blutung
- Thrombose
- Embolie
- Wundheilungsstörung
- Vernarbung
- Infektion, Abszessbildung
Bei Bruch- und Bauchoperationen
- Darmverletzung
- Verstopfung
- Krämpfe
- Verdauungsstörung
- Hodenschmerzen
Bei Knochenoperationen mit Verschraubung
- Fehlstellung
- Schraubenlockerung
- Materialbruch
Diese Aufstellung ersetzt nicht das persönliche Aufklärungsgespräch. Welche Risiken in Ihrem Fall wirklich bedeutsam sind, hängt vom Eingriff, von Vorerkrankungen und Medikamenten ab – das besprechen wir vor jeder Operation einzeln mit Ihnen.
Noch Fragen offen?
Nehmen Sie sich Zeit für die Entscheidung – und rufen Sie an, wenn nach dem Gespräch etwas unklar geblieben ist.